Streetart: Graffiti Kunst in Wien

Streetart: Graffiti Kunst in Wien
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Autor: Astrid Eishofer

„Is @kendalljenner a doggo?“ Diese Frage stellt Graffiti-Künstler Lushux auf seinem Instagram-Account und postet dazu sein frisch gesprühtes Werk direkt vor dem Wiener Museumsquartier. Unverkennbar: der parodistische Zugang zum Snapchat-Hype unserer Zeit. Auch für Conchita Wurst, die Kendall auf der Wall mit würdevollem Blick Gesellschaft leistet, hat sich der Australier eine nette Botschaft einfallen lassen: „Help get @conchitawurst down to @mqwien to take a selfie with this wall by tagging her in. Thanks to @artis.love for spot.“ Wer Lushux bei dieser Mission unterstützen möchte – feel free. Hier geht´s zum Instagram Post.

 

 

Ob die Wurst den eingeforderten Selfie liefert, wird sich noch zeigen.

Schließlich hat ja auch der Dritte im MQ-Bunde dem Künstler bereits seinen Respekt gezollt. Dabei handelt es sich um den schwedischen Youtube-Star Felix Kjellberg alias PewDiePie, der mit über 53 Millionen Abonnenten eine Reichweite erzielt, von der viele Werbetreibende nur träumen können. Ihn fragte Lushux einfach via Social Media, ob er nicht einen Selfie für ihn hätte, den er im Wiener Museumsquartier auf eine Wall sprühen könnte. Die Antwort kam prompt und ist nun Teil des Gesamtkunstwerkes. Ein schönes Beispiel dafür, wie Storytelling im Jahr 2017 funktionieren kann.

 

 

Dass ich nicht gerade zur Kernzielgruppe von PewDiePie zähle, dürfte wohl jedem klar sein und wenn Kendall Jenner in ihrem Lieblingssupermarkt einkaufen und auf Instagram werbewirksam zeigen würde, was es dort Tolles zu kaufen gibt, interessiert es mich ungefähr genauso, als wenn in China ein Rad umfällt. Aber hey, das ist auch gar nicht des Pudels Kern, denn darum geht es hier nicht.

 

Künstler, Social Media und Influencer Marketing

Wie viele andere Menschen auch, lebe ich im wunderschönen Wien, gehe mit offenen Augen durch die Strassen und wenn plötzlich mitten im Siebten ein Typ mit Spraydose werkt, die ganze Show im Hintergrund mit Trashmetall-Klängen bespielt wird und dabei bunte Bilder entstehen, finde ich das ziemlich cool, genauso wie das Marketingkonzept, dass dahinter steckt, wobei wir wieder bei Kendall Jenners Supermarkt Post wären: Millionen Teenies scheinen nur auf Infos wie diese zu warten und sollte tatsächlich ein Supermarkt in einem Jenner-Post erwähnt werden, gilt das als Empfehlung vom Feinsten (die sich die geschäftstüchtige Lady mit Sicherheit auch gut bezahlen lassen würde). Es geht hier um Teenie-Idole und Dank Instagram, Snapchat und Co fühlt sich jeder Fan, als wäre er mit seinem Star „persönlich befreundet“.  In dieser Zielgruppe wird alles Mögliche gelikt (oder gehatet), kommentiert und geteilt. So steigen die Reichweiten von IT-Girls und Boys teilweise ins Unermessliche.

 

Synergien zwischen virtuellen und realen Lebenswelten 

Wenn Street-Art-Künstler wie Lushux Menschen mit hohen Reichweiten im öffentlichen Raum porträtieren und die Bilder samt Entstehungsprozess dann in den sozialen Medien gestreut werden, erreicht er damit ebenfalls eine weit größere Aufmerksamkeit, als wenn er einen „no name“ auf irgendeiner Hausmauer verewigt und dann wartet, bis von alleine etwas passiert. Die Fans der portraitieren Personen und seine eigenen werden zu Multiplikatoren, die Aufmerksamkeit steigt. 

Und weil ein reines „everybody´s darling“-Prinzip die meisten Leute auf Dauer langweilen würde, werden Skandale und Provokationen ebenso Medien wirksam integriert, wie die netten Stories. Auch Lushux ist ein Meister solcher Inszenierungen.

  

Der Graffiti-Künstler und seine Hillary

Als Hillary Clinton während des US- Wahlkampfes 2016 plötzlich von einer riesigen Hausmauer in einem Vorort von Melbourne lachte und dabei nur einen knappen Monokini im Design der amerikanischen Flagge trug, war die Aufregung vorprogrammiert. Das Medienecho war enorm und zwar ON und OFFline. Kritiker verlangten die Entfernung des Murals, denn es würde eine „fast nackte Frau“ zeigen und es sei respektlos gegenüber der damaligen Präsidentschaftskandidaten. Lushux Antwort: er verwandelte Clinton in eine Muslime und schrieb folgenden Text dazu:  

„This is no longer a wall of a supposed „offensive and near naked“ Hillary Clinton, it is now a depiction of a beautiful Muslim woman. No reasonable person would consider this offensive. If you do consider it offensive you are a sexist, racist, islamophobic, xenophobic, uncultured and ignorant bigot.“ Hier geht´s zum dazu gehörigen Instagram Post

Das kann man jetzt gut finden oder auch nicht, genauso wie zahlreiche andere Projekte. Kunst ist kontrovers und Aktionen wie diese zeigen, was Socialmedia und klassische Medien in Kombination bewirken können. Sie tragen entscheidend dazu bei, dass über aktuelle Themen und Kunstprojekte weitläufig diskutiert wird und dass ewig ungeklärte Fragen immer wieder neu aufgegriffen werden: was ist Kunst, was darf sie und wo liegen die Grenzen?  

 

Mehr von Lushux gibt´s im Wiener Museumsquartier

Die Jan Arnold Gallery hat den australischen Graffiti Künstler nach Wien geholt hat, wo er den ganzen Juli (2017) über mehrere Walls besprühen wird. Also meine Lieben, Augen auf, vielleicht könnt auch ihr live mitverfolgen, wie eines der Werke entsteht und dann eure Impressionen in den sozialen Medien teilen. Künstler-Credit und taggen nicht vergessen, das gehört sich nämlich so.

Zusätzlich gibt es eine Ausstellung – Infos dazu findet ihr hier:

 



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