Physical Distancing – Ein Virus, viele neue Realitäten

Physical Distancing Tagebuch. #STAYatHOME Tag 11. Donnerstag, 26. März 2020. Dieser Artikel spiegelt ausschließlich die persönlichen Eindrücke der Autorin wider.   

Covid19 Social Distancing und die Folgen des Shutdown

 

Langsam aber sicher verschwindet dieses eigenartige Gefühl der Surrealität. In den sozialen Netzwerken sprechen manche sogar schon davon, dass eine gewisse Normalität in ihrem Alltag eingekehrt wäre. Bei mir wird das wohl noch länger dauern, obwohl das Homeoffice für mich nichts Neues ist. Ich war ja trotzdem jeden Tag draußen, um Dinge zu erledigen, Termine wahrzunehmen, Freunde zu treffen, Sauerstoff zu tanken oder einfach nur das Leben einzuatmen. Vor Covid19 standen an den Wochenenden stundenlange Spaziergänge und Wanderungen am Programm. Das hat mich unter anderem von Gedanken befreit, die ich nicht denken wollte. Eigentlich weiß ich gar nicht, wie es ist, wenn einem daheim die Decke auf den Kopf fällt.  Ich war einfach immer beschäftigt, viel draußen in der Natur oder in der Innenstadt und gerne auch daheim.

Nur war mir da klar, dass ich jederzeit raus kann.

 

Und jetzt? 

Soziale Isolation lautet das Gebot der Stunde – mit all ihren Folgen. Geschäfte, Restaurants und andere Firmen müssen vorerst geschlossen bleiben. Strikte Verhaltensregeln sollen für Ordnung im öffentliche Leben sorgen und dafür, das die Corona-Kurve möglichst niedrig bleibt. Potenzielle Kunden haben keine Ressourcen mehr, um Dienstleistungen zu buchen, die nicht das wirtschaftliche Überleben sichern. Viele Selbstständige sitzen notgedrungen vor leeren Auftragsbüchern. 

Die eigenen vier Wände werden zum Lebenszentrum, Zimmerpflanzen zu besten Freunden und es gibt kaum Möglichkeiten den eigenen Gedanken auszuweichen. ⁣⁣

 

Was macht das alles mit uns?

Spätestens jetzt drängt sich die Frage auf: Wie gut kannst du mit dir selbst? Schließlich bist du der einzige Mensch, mit dem du 24 Stunden am Tag zusammen bist – ob du willst oder nicht. Selbst Mitbewohnern kann man irgendwie für ein paar Minuten ausweichen und wenn man sich dafür eine halbe Stunde auf die Toilette setzen muss. Dir selbst kannst du allerdings nicht aus dem Weg gehen. 

Im normalen Leben fällt das gar nicht so auf. Wir begegnen einander, sind viel unterwegs und damit beschäftigt jede Menge Eindrücke zu verarbeiten: die Kollegen im Büro, das bunte Treiben auf den Märkten, der herrliche Duft aus Restaurantküchen, plaudernde Menschen in Gastgärten, blühende Blumen in der Natur und der süße Hund der Nachbarin.

 

Zwischen Zwangsentschleuigung und Dauerstress

Das meiste davon fällt gerade weg. Umdenken ist gefordert. Nicht nur, was das große Ganze betrifft, sondern auch was in unserem eigenen kleinen Kosmos abgeht, denn dort leben wir derzeit. Jeder für sich. Während sich die einen über die Zwangsentschleunigung freuen können, weil sie weder Existenzängste noch Platzprobleme haben, bedeutet die Situation für andere permanenten Dauerstress,

  • weil sie als Mütter plötzlich Homeoffice, Kinderbetreuung und Haushalt unter einen Hut bringen müssen, 
  • weil Kind und Kegel in einer kleinen Wohnung täglich 24 Stunden lang aufeinander hocken,
  • weil sie alleine leben und nun auch die wenigen restlichen Kontakte zu realen Menschen abgestellt sind,
  • weil sie in systemerhaltenden Berufen arbeiten und der Angst ausgesetzt sind, sich anzustecken oder
  • weil sie zu den vielen Firmen und Selbstständigen zählen, die gerade keine Ahnung haben, wie es weitergehen soll. 

Die neue Realität hat viele Gesichter. Manche davon sind freundlich, andere hingegen bitter.

 

Zeit einfach Stopp zu sagen

Wir alle stehen vor individuellen Herausforderungen, die wir so nicht kannten und wir müssen uns damit arrangieren, versuchen neue Lösungsansätze zu finden, weitergehen, auch wenn gerade alles um uns herum still zu stehen scheint, außer diesem Coronavirus. Irgendwann wird das große Ganze wieder hochgefahren, wie auch immer das aussehen mag. Dann ist es gut, die Zeit sinnvoll genutzt zu haben und zu wissen wie der eigene Kosmos ab sofort aussehen soll. 

Zwischendurch drücke ich hin und wieder auf die Stopptaste, um den Gedanken, die sich gerade im Kreis drehen, nicht tatenlos die Herrschaft in meinem Kopf zu überlassen. Stopp sagen, und einfach aus der Situation rausgehen, auch wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Das ist wichtig, um wieder zur Klarheit zurückzufinden.

Und nur damit da draußen keine falschen Hoffnungen aufkommen: Mein Humor stirbt zuletzt!



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