Physical Distancing – Warum in der Krise alle Klopapier kaufen

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Physical Distancing Tag 4. Donnerstag, 19. März 2020. Dieser Artikel spiegelt ausschließlich die persönlichen Gedanken der Autorin wider.

Warum alle Klopapier in der Corona Krise kaufen

 

Wie oft hast du vor der Corona-Krise über Toilettenpapier nachgedacht?

Sicher nicht so oft wie in den letzten Tagen und wer sagt, dass dem nicht so ist und sich gleichzeitig darüber amüsiert, wenn andere der heiligen Rolle plötzlich so viel Bedeutung beimessen, ist schon mitten drin im #Klopapiergate. Oh ja, es gibt sogar einen eigenen Hashtag dafür und der kann durchaus stimmungsaufhellende Tendenzen hervorrufen, auch wenn es sonst gerade wenig zu lachen gibt.

Humor ist auch in schwierigen Lebenslagen ein wichtiger Begleiter, das bestätigen Psychologen immer wieder. Er darf nur niemanden weh tun. #Klopapiergate erfüllt dieses Kriterium. Das Thema beschäftigt viele Menschen und kann sogar kurzfristig von anderen Problemen ablenken. Ich würde sogar sagen, dass dieser Hygieneartikel eine unerwartete Bewusstseins-Renaissance erlebt – Hamsterkäufe und Spaß-Postings im Internet inklusive.

 

Warum gerade Klopapier?

Wir alle kennen die Story von Angebot und Nachfrage. Ist die Nachfrage größer als das Angebot, steigt der Wert einer Sache. So weit, so gut und absolut logisch. Aber warum ist ausgerechnet Toilettenpapier in Krisenzeiten so gefragt? Wer das Phänomen in den letzten Tagen mitverfolgt hat, kennt die Bilder von den Hamsterkäufen. Was dabei oft untergeht: auch andere Artikel, wie haltbare Lebens,- oder Desinfektionsmittel werden auf Vorrat gekauft.

Nachdem der Handel immer wieder glaubhaft versichern konnte, es würde keine Versorgungsengpässe geben, pendelt sich die Lage bei Nudeln, Reis, Seife & Co langsam wieder ein. Einzige Ausnahme: die begehrten Zellstoffrollen.

 

Kommt es auf die Größe an?

Fakt ist: Die Verpackungseinheiten sind bei Toilettenpapier im Vergleich zu anderen Dingen verhältnismäßig groß und fallen beim Blick in fremde Einkaufswägen sofort auf. In Zeiten, in denen es dringend notwendig ist, die eigenen vier Wände nicht zu verlassen, könnten die Packungen noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wenn man (aus gutem Grund!) schon nicht raus darf, will man zumindest sicher sein, das die Zellstoffrollen nicht zur Neige gehen. Wir suchen also Sicherheit in einer Zeit, in der die meisten von uns gerade vor vielen Fragezeichen stehen – Existenzängste inklusive. Klar Toilettenpapier zahlt die Miete nicht und es löst auch keine anderen Probleme.

Aber es ist beruhigend zu wissen, dass wenigstens irgendetwas nur einen Handgriff entfernt ist, wenn man es braucht. 

 

Panische Kettenreaktion

Die Augen sehen, was sich in den Einkaufswägen der Anderen abspielt. Das Gehirn drückt den Alarmknopf. Die Beine schalten in den fünften Gang und schon steht man selbst vor dem Klopapierregal. Leider zu spät. Die Mitarbeiter im Supermarkt versichern, dass morgen alles wieder voll ist und schon stehen am nächsten Tag (gleich nach dem Aufsperren) jene Leute vor der Tür, die am Vortag ohne Beute nach Hause gehen mussten.

Schließlich will niemand in die Situation kommen, die Notdurft nicht fachgerecht abschließen zu können. Es ist auch so alles schwierig genug.

Irgendwie klingt das schon wieder logisch. Nichtsdestotrotz bleiben Klopapier-Hamsterer eine eigenartige Spezies, die uns bei jeder Krise wieder aufs Neue beschäftigt und das kann in Zeiten von Covid 19 eine willkommene Abwechslung sein – vorausgesetzt, die begehrte Ware steht wirklich bald wieder in den Regalen.

 

Hygieneartikel mit Symbolkraft

Dieses Phänomen zeigt, wie sich Sichtweisen in Krisenzeiten ändern können. Plötzlich erkennen wir den Wert jener Dinge, die wir unter normalen Umständen als selbstverständlich wahrnehmen – so wie es bei Toilettenpapier der Fall ist. Wir haben Angst, etwas nicht mehr zu haben, was immer da war. Medienberichte, Social Posts mit Hamsterkäufen und die vielen Spaßbeiträge im Internet befeuern dieses Gefühl. Wir suchen Sicherheit, ein Quentchen Normalität in einer völlig surealen Ausnahmesituationen.

Plötzlich bekommen kleine Selbstverständlichkeiten große Bedeutung.

So wie die Freiheit, die eigenen vier Wände verlassen zu können, wann wir wollen. Auch sie war immer selbstverständlich für uns. Jetzt, wo es notwendig ist, daheim zu bleiben, sind wir dankbar für jeden Moment im Freien. Der Weg zum Supermarkt wird zum Tageshighlight, ebenso wie die Gassi-Runde mit dem Hund.

Krisen können uns in vielen Bereichen die Augen öffnen. 

Das war schon immer so.

 

Please stay at home,

damit wir möglichst bald in eine neue Normalität starten können, denn so wie vorher, wird es nicht mehr werden. Eines wird uns aus der Zeit vor dem Coronavirus aber bleiben: Toilettenpapier, unser treuer Alltagsbegleiter in guten wie in schlechten Zeiten. 

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